Samstag, 28. Juli 2012

BBC: Auntie ist doof (2)

Und wieder ein Grund, warum Internetradio allein nicht ausreicht und nie ausreichen wird:

Gestern abend war der Rechner darauf programmiert, aus dem Webstream von BBC Radio 2 die wöchentliche Livesendung "Friday Night is Music Night" aufzunehmen.

Jetzt ist Samstagnachmittag, draußen gießt es in Strömen und es ist ausgesprochen ungemütlich. Gerade das rechte Wetter, um es sich mit etwas guter Musik zuhause gemütlich zu machen. Also die Aufnahme aufgerufen, entspannt zurückgelehnt, und...


Zwei Stunden lang! Grrrr!!! Dann wird es eben nächste Woche wieder vom Satelliten mitgeschnitten.

Gibt es eigentlich ein Emoticon für einen Stinkefinger?

Mittwoch, 25. Juli 2012

Mittal Vater und Sohn als Fackelträger

Lakshmi Mittal und Sohn Aditya werden morgen in London das olympische Feuer durch die beiden Nobelviertel Chelsea und Kensington tragen.

Mehrere belgische Gewerkschaften sind empört und haben einen Brief an Jacques Rogge, den Präsidenten des IOC geschrieben. Sie verweisen auf den Werdegang der Mittal-Sippe und auf die Situation der 3000 Stahlarbeiter in Lüttich und 70.000 weltweit, die Mittal durch die Schließung von Werken um ihre Arbeit gebracht habe. Häufig habe es sich dabei, so auch in Lüttich, um durchaus rentable Anlagen gehandelt, die ihm nur nicht genug Gewinn abgeworfen hätten.

Einen derartigen sozialen Raubbau betrachten die Gewerkschaftler als mit der olympischen Charta, die unter anderem soziale Verantwortung und den Respekt universeller ethischer Grundsätze verlange, als nicht vereinbar. Sie seien entsetzt, dass so jemand auch noch in dieser Weise geehrt würde. 

Es ist nicht das erste Mal, dass das olympische Engagement Mittals bei den Gewerkschaften für Aufruhr sorgt. Schon vor Monaten war der von ihm mit über 20 Millionen Euro gesponserte Turm aus Stahl für das Olympiagelände angesichts der drakonischen Sparmaßnahmen des Konzerns heftig kritisiert worden.

Foto: Fackel von Arcelor Florange - dort ist der Ofen auch schon länger aus und die Zukunft weiterhin ungewiss

Dienstag, 24. Juli 2012

Geier nur auf der Durchreise

In der Gegend um Visé wird seit Tagen ein Geier mit einer Flügelspannweite von immerhin 2 m beobachtet. Heute lesen wir in La Meuse, dass der Vogel nur auf der Durchreise ist - nach Spanien.

Sonntag, 22. Juli 2012

Juli 2012

Draußen ist es nicht nur kühl wie im Herbst. Es riecht auch so. Offenbar haben einige Leute den Ofen wieder angemacht.

Morgen soll es angeblich wärmer werden...

Wasserleichen

Alle paar Jahre wird die Maas von Namur bis Visé mit einem Echolot abgesucht und dann werden in einer Großaktion alle Autowracks gehoben.

Das dient der Sicherheit der Schifffahrt, klärt eine Reihe von Versicherungsfällen und auch die Mordkommission kann anschließend die eine oder andere Akte zum Abschluss bringen.

Wenn der Erkennungsdienst und die Versicherungsfahnder mit den Wracks durch sind, landen sie in Sclessin beim Verschrotter.

Sclessin (B) - September 2006

Samstag, 21. Juli 2012

21. Juli - Rede des Königs

Am 21. Juli 1830 hat der erste belgische König, Leopold I., seinen Amtseid abgelegt und Belgien damit sozusagen offiziell eröffnet. Seither ist der 21. Juli in Belgien der Nationalfeiertag.

Viele werden sich noch daran erinnern, wie der heutige König, Albert II., die Politiker letztes Jahr mit einer in Worten und Gesten nie erlebten Deutlichkeit aufgefordert hatte, nach eineinhalb Jahren endlich eine Regierung auf den Weg zu bringen. Dem üblichen Volksfest in Brüssel waren er und die Königin damals ferngeblieben.

Das mit der Regierung hat zwar noch bis zum 6. Dezember gedauert, aber seither hat sich einiges getan. Einer der größten Knackpunkte war dabei die Aufteilung des Wahlkreises Brüssel-Halle-Vilvorde (BHV). Vergangene Woche hat der König endlich das Gesetz unterzeichnen können, das diese leidige Geschichte, die sich bereits seit 1961 hinzog, endlich zum Abschluss gebracht hat. 

Und so gibt es zum diesjährigen Nationalfeiertag eine sehr viel positivere Ansprache. Der wirkliche Nationalfeiertag, den er sich letztes Jahr gewünscht hatte, den hat er dieses Jahr bekommen. Wer mag, kann die Rede hier nachhören. 

Mittwoch, 18. Juli 2012

France Culture: Calais und Florange

Zwei Berichte des französischen Hörfunksenders France Culture, einer aus Calais und einer aus Florange, über diejenigen, für die Sarkozys albernes Wahlkampfmotto travailler plus pour gagner plus - mehr arbeiten um mehr zu verdienen - im Nachhinein erst recht wie Hohn und Spott klingen muss. 

Zum Nachhören als Podcast:



Dienstag, 17. Juli 2012

Seafrance: My Fair Lady

Der Spott hat nicht lange auf sich warten lassen. In der Ausgabe Calais der Voix du Nord gibt es heute einen Artikel, der mit My Fair Lady überschrieben ist. 

Nicht ganz zu Unrecht wird dort kritisiert, dass die französische Fährlinie sich ausgerechnet einen englischen Namen gegeben hat.

passeports

Hoverport, Boulogne-sur-Mer, 2003

Contarex, Biogon 4/35 mm, Supra 800

Montag, 16. Juli 2012

Seafrance: My Ferry Link

Jetzt ist es offiziell. Seafrance heißt künftig My Ferry Link. Man habe, heißt es aus der SCOP, eingesehen, dass der Name Seafrance mittlerweile zu stark belastet sei. Das Link ist der Rest von Sealink. Der Name war zwar auch im Gespräch, erschien ihnen aber zu alt.

My Ferry Link sei doch viel moderner, zeitgemäßer. Bin ich der Einzige, der dazu - ganz modern und zeitgemäß - vor allem billig assoziiert?

Sonntag, 15. Juli 2012

Hyperrealistisches aus Calais: Agathe Verschaffel

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, ist dieses Bild kein Foto. Es ist eines der Gemälde der Künstlerin Agathe Verschaffel aus Calais, die sich ganz dem Hyperrealismus verschrieben hat und hauptsächlich technische und industrielle Motive malt: Schiffe, Hafenkräne, Textilmaschinen, Industriebrachen.

Vergangene Woche ist sie in Le Touquet beim jährlichen Kunstwettberwerb, der Trophée Alain Godon, mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. 

Sie betreibt in Calais eine eigene Galerie in der Rue Duc de Guise.

Bild: © Agathe Verschaffel, "red screen", 60x60 cm, Acryl

Seafrance: Sealink?

Es kursieren Gerüchte, dass die SCOP den Namen Seafrance doch nicht weiter benutzen will. Zu groß ist wohl die Angst, dass der Schaden durch die Pleite, das immer noch laufende Ermittlungsverfahren wegen bandenmäßigen Diebstahls in den Shops und Restaurants an Bord und die Unregelmäßigkeiten bei der Buchhaltung des Betriebsrats das, was vom guten Klang des Namens übrig ist,  in den Schatten stellen könnte.

Kaum eine Woche, in der die Presse nicht über Verhöre und Verdächtigungen berichtet. Gerade letzte Woche hat es eine Durchsuchung in den Räumen des Betriebsrats gegeben. Die Berichterstattung über die Verurteilung wegen illegaler Beschäftigung eines Trainers beim Fußballverein in Marck, dessen führende Köpfe die SCOP-Protagonisten Cappelle und Vercoutre sind, kommt noch hinzu.  

Da kommt es ganz recht, dass Eurotunnel mit den Schiffen und den übrigen Aktiva auch die Marke Sealink erworben hat. Noch wird dementiert, aber das letzte Wort, so Eurotunnel, habe die SCOP.

Freitag, 13. Juli 2012

2 x 60 m Panoramafotos in De Panne

Der belgische Fotograf Jo Struyven hat zwei Panoramafotos geschaffen. Eins zeigt die gesamte belgische Küstenlinie von See aus - von Adinkerke bis an die Scheldemündung - und das andere den genau westlich gegenüberliegen Abschnitt der englischen Küste von Folkestone bis Margate. 

Beide Fotos hängen noch bis zum 16. September am Strand von De Panne in fünf aneinandergereihten 48 Fuß-Seecontainern, jedes Foto fast 60 m lang und so angeordnet, dass die  in Ost-West-Richtung gegenüberliegenden Orte der beiden Küsten auch an den Wänden der Container genau gegenüberliegen.

De Standaard von heute verlinkt auf ein Video des flämischen Fernsehens VRT zu dieser Ausstellung.

Donnerstag, 12. Juli 2012

Noch Plätze zu haben für Kool and the Gang in Pepinster

Wer nach dem Verbleib ehemaliger Popstars der 60er, 70er und 80er Jahre sucht, sollte die belgischen Kleinstädte im Auge behalten.

Das Spirit of 66, eine Live-Musikkneipe in einem ehemaligen Kino in Verviers, schafft es in Kooperation mit dem Kursaal im benachbarten Dolhain immer wieder, durchaus bekannte Namen in die belgische Provinz zu locken. Wishbone Ash, Focus, Carl Palmer (EL&P), The Animals, Steve Hackett, Doctor Feelgood, Caravan... alle in den letzten Monaten dort gewesen oder demnächst auf dem Programm.

Wer hingegen in der Mehrzweckhalle in Pepinster auftritt, dürfte seine besten Zeiten schon länger hinter sich haben. Für das dortige Konzert von Kool and the Gang - die immerhin irgendwann 70 Millionen Tonträger unter die Leute gebracht haben - am 19. August sind noch Karten zu haben. Sie bestreiten auch nur die zweite Hälfte des Abends. Die erste gehört Renato, dem diesjährigen Zweiten bei The Voice, sozusagen der belgischen Variante von DSDS.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Belgisches Kino: Hasta la Vista und Noordzee Texas


Der belgische Film ist mehr als die Brüder Dardenne. Nicht, dass ich deren Verdienste schmälern wollte. Ich mag ihre Filme natürlich auch - nicht zuletzt, weil sie in Lüttich und Seraing spielen.

Aber solche großen Leuchttürme werfen halt auch lange Schatten und gerade im Ausland haben die anderen belgischen Filmemacher häufig Mühe, die Aufmerksamkeit zu finden, die sie ohne Frage verdient hätten.

Da ist es umso erfreulicher, wenn sogar der Spiegel auf Hasta la Vista hinweist, die Geschichte von drei behinderten Jugendlichen, die eigentlich nur nach Spanien wollen, weil sie gehört haben, dass es dort einen Puff für Behinderte gibt, und doch so viel mehr erleben.



Gerade im Genre der Coming-of-Age-Filme gibt es immer wieder sehr gutes aus Belgien. Absolut sehenswert: Noordzee Texas von Bavo Defurne, ein wunderschön erzählter Coming-Out-Film, der seine Geschichte mit einer Ruhe und Schlichtheit erzählt, die ihn umso beeindruckender macht.

Schade, dass sowas hier viel zu selten und dann nur in den Programmkinos der Großstädte zu sehen ist. 

Montag, 9. Juli 2012

Neues Leben bei Carsid?

Die RTBF meldet heute morgen, dass es ein Projekt für einen Neubeginn auf dem Gelände von Carsid in Marcinelle gibt. 

Zur Erinnerung: Hochofen und Stahlwerk sind seit März letzten Jahres kalt, und diesen Mai war die endgültige Stilllegung angekündigt worden. Seither läuft das sog. Renault-Verfahren zur Entlassung der rund 1000 Beschäftigten.

Nun verhandeln Duferco als Eigentümer des Werks, die Gewerkschaften und die Région Wallonne über ein Projekt für die Zukunft des Standorts. Keine Rede mehr von Kokerei und Hochofen, stattdessen geht es um ein Elektrostahlwerk und vielleicht auch ein Walzwerk. Realisieren ließe sich all dies in frühestens zwei bis drei Jahren. 

Alle Beteiligten zeigen sich sehr verhalten optimistisch und die Gewerkschaften fragen, was in der Zwischenzeit mit den Beschäftigten von Carsid passieren soll, die bisher noch von Kurzarbeitergeld leben. Denen ginge es, so ein Gewerkschaftssprecher, eher darum, was morgen sei, und nicht morgen in zwei Jahren. Das neue Projekt würde ohnehin nur einen Bruchteil der alten Belegschaft übernehmen können. 


Seafrance: Rodin in Dünkirchen

Seit heute morgen liegt die Rodin bei den ARNO. Damit ist bis auf die Berlioz die gesamte (ex-) Flotte in Dünkirchen versammelt.
 

Samstag, 7. Juli 2012

Deutschandfunk - Lange Nacht: Seefunk

Heute Abend geht es in der Langen Nacht beim Deutschlandfunk um eine mittlerweile ausgestorbene Spezies: Schiffsfunker.

Nichts ist mehr übrig von den Funkräumen, in denen der Funkoffizier für die Verbindung zum Land und zu den anderen Schiffen sorgte, die nautischen Warnmeldungen, Wetterberichte und Sturmwarnungen aufnahm und an die Brücke weitergab und, wenn es zum Äußersten kam, den Notruf sendete.

All das läuft längst über Satelliten und automatisierte Funkanlagen. Auf den Schiffen steht das Faxgerät heute genauso selbstverständlich wie in jedem Büro, die nautischen Warnmeldungen kommen per NAVTEX aus dem Drucker und selbst auf einem großen Passagierschiff wie der Seafrance Renoir passte die Funkanlage für Grenz- und Kurzwelle in den letzten Jahren auf eine Schreibtischhälfte im hintersten Winkel der Brücke.

Deutschlandfunk, heute 23.00 bis 02.00 Uhr, auf den üblichen Kanälen und Frequenzen sowie per Internet.

Freitag, 6. Juli 2012

Senne heißt jetzt Sanne

Vor zwei Jahren verkündete der damals fünfjährige Senne zum ersten Mal, er wolle ein Mädchen sein. Zwei Jahre lang haben seine Eltern immer wieder versucht, es ihm auszureden. Seit er zu Nikolaus - da gibt es bei den Flamen die Weihnachtsgeschenke - statt der gewünschten Puppe ein Auto bekam, spielte er demonstrativ nur noch mit den Geschenken seiner Schwester. Vor einiger Zeit bat er seine Mutter bei einer Einkaufstour um ein Kleid. Als sie auf den üblichen Hinweis, er sei aber ein Junge, seinen traurigen Blick sah, hat sie nachgegeben. So glücklich wie an diesem Tag, sagt sie heute, habe sie ihr Kind noch nie gesehen.

Vergangene Woche ist Senne zum letzten Mal als Junge in die Schule gegangen. Im September, also nach den Ferien, geht sie als Sanne ins neue Schuljahr. Im Kleid. Auch bei der Schule hat man eingesehen, dass sie sich jetzt viel wohler in ihrer Haut fühlt.

Im Standaard gibt es einen ganz toll geschriebenen Artikel dazu. 

In Berlin haben sie letztens ein elfjähriges Mädchen, das sich als Junge fühlt, auf Verlangen des Vaters in die geschlossene Psychiatrie gesteckt. In solchen Dingen sind uns die Belgier um Lichtjahre voraus.

Mittwoch, 4. Juli 2012

Dschungelkrieg in Droixhe

Der lütticher Stadtteil Droixhe ist ein notorischer sozialer Brennpunkt mit einem extrem hohen Ausländeranteil, und die im Bild sichtbaren Hochhäuser sind geradezu ein Symbol für gescheiterten Städtebau. Die beiden äußeren hat man unterdessen abgerissen, die drei in der Mitte stehen seit Jahren leer.

Dort will die belgische Armee am 13. September mit einem großen Manöver die "Evakuierung belgischer Staatsbürger in einem feindlichen Territorium" üben.

Quelle: La Meuse

Montag, 2. Juli 2012

...und noch vier Standorte in Belgien

Die Belgier dürfen sich auch freuen. Die ehemaligen Bergwerke Grand-Hornu, Bois-du-Luc, Bois du Cazier und Blegny - allesamt in Wallonien - sind am Wochenende von der UNESCO ebenfalls in das Weltkulturerbe aufgenommen worden.

Sonntag, 1. Juli 2012

Bergbaulandschaft im Nord-Pas-de-Calais ist jetzt Weltkulturerbe

Bei einer Tagung des zuständigen Ausschusses der UNESCO in Sankt Petersburg ist gestern die Bergbaulandschaft des Nord-Pas-de-Calais im Ganzen zum Weltkulturerbe erklärt worden. Dabei geht es um ein Gebiet von rund 120 x 12 km, das sich über 87 Kommunen erstreckt. Dazu gehören erhaltene Zechenbauten und Fördergerüste ebenso wie Zechensiedlungen, Halden und die gesamte dadurch geprägte Landschaft.

Dieser schöne Erfolg ist die Krönung zehnjähriger Bemühungen. Geholfen hat wohl, dass Frankreich dieses Jahr bei der UNESCO bewusst nur dieses eine Projekt zur Anerkennung eingereicht hatte.

La Voix du Nord hat einen Artikel dazu.